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Diskussionskommando Berlin

68er Revolte

50 Jahre Tod von Benno Ohnesorg

Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg in der Krumme Straße in Berlin Charlottenburg er- schossen. Die Begleitumstände sind hinlänglich be- kannt: Schah-Besuch in Berlin mit einem Besuch der Deutschen Oper. Täter: Karl-Heinz Kurras. Beamter der West-Berliner Kriminalpolizei. Erst nach der Wen- de 1989 stellt sich heraus, dass er hauptamtlicher Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR war. Also ein eingeschleuster Agent und Spion, wie viele an- dere auch. Autoren und Kommentatoren weigern sich jedoch hartnäckig, diesen Umstand als gravierend für die Ereignisse des 2. Juni 1967 anzuerkennen. Auch noch 50 Jahre danach wurde Benno Ohnesorg von einem Kriminalobermeister erschossen und Schuld an der völlig überzogenen Räumung der Polizei vor der Oper ist der damalige Polizeipräsident Duensing mit seiner “menschenverachtenden Leberwurst- Taktik”. Keinem fällt auf, dass die gar nicht ange- wendet wurde! Sie wäre das mildeste Mittel für eine Räumung gewesen und ein Schlagstockgebrauch hätte in dieser Härte niemals stattgefunden. Die Demonstranten wären nach links und rechts in die Bismarckstraße abgedrängt worden. Sie hätten so- wohl in der Breite, als auch in der Tiefe sehr viel Raum “zur Flucht” gehabt. Tatsächlich wurde der Befehl des Polizeipräsidenten,   entgegen der Einsatzplanung, vor Ort mißachtet. Warum es dazu kam, kann nur vermutet werden. Die eingesetzten Polizeibeamten wurden vor der Oper eine dreiviertel Stunde lang mit Flaschen, Farbeiern und vereinzelt Steinen beworfen. Gleich zu Anfang wurden dadurch zwei Kollegen schwer verletzt und mußten lange stationär behandelt werden.   
Der unzweifelhaft überzogen harte Einsatz der Beamten kann eine Folge von Wut und Stress gewesen sein. “Von langer Hand vorbereitet und geplant” war er ganz sicher nicht. Ebensowenig der tragische Tod eines Demonstanten. Eine körperliche Untersuchung von Kurras zeigte Blutergüsse und Verletzungen, es muß also eine körperliche Auseinander- setzung gegeben haben. Vielleicht hat er wirklich die Nerven  verloren und war überfordert. Einsätze auf der Straße war er seit Jahren nicht mehr gewohnt. Eine hartnäckige und perfide Unterstellung ist, die Polizei versuchte nach dem Ereignis alles zu vertuschen und die Ärzte, die Ohnesorg gleich danach ver- sorgten, zu Falschaussagen zu nötigen. Diese Behauptung stell- ten Horst Mahler und Studentenführer auf, danach entschuldig- ten sie sich beim Chefarzt des Moabiter Krankenhauses für die- se Falschanschuldigung. Die Kopfwunde von B. Ohnesorg wurde nach seiner Einlieferung übernäht, da man sie für eine Schlag- stockverletzunhg hielt. Erst am 3. Juni kam die Schußverletzung bei einer erneuten Untersuchung zu Tage. Medien zitieren bis heute weiter die flammenden Kommentare von Gudrun Ensslin im Audi Max vom 2. Juni zur Erschießung eines Studenten. Das dies nicht möglich sein kann, interessiert nicht.          Auch die selbst ernannten Qualitätsmedien, wie das ZDF, produ- zieren ihre Dokumentationen vom Ende her. Das Ergebnis steht vorher fest, alles andere wird so gefiltert, dass es passt. Ich war mit Interviews mehrfach live dabei. Die reißerische Darstellung und das Feindbild Polizei bestimmen den Inhalt. Tatsachen und neuere Erkenntnisse werden ausgeklammert. Stattdessen im- mer wieder dieselben Schilderungen von denselben Zeitzeugen, die z. T. so nicht gewesen sein können. Sie haben ihre Ge- schichte schon so häufig erzählt, dass sie sie inzwischen selbst glauben. Für 50 Jahre 68er-Revolte in diesem Jahr wird es nach genau diesem Muster verlaufen. Eine wirklich seriöse und objektive Darstellung ist nicht zu erwarten.